Mit leichter Verspätung begann das Sanremo-Festival 2021 am Dienstag um 20:50 Uhr, eingeleitet vom unernsten Primafestival. Am Nachmittag hatte es eine unerwartete Programmänderung gegeben: Ein Mitarbeiter im Team von Irama war positiv auf das Coronavirus getestet worden, weshalb sich auch der Sänger einem Test unterziehen musste; sein Auftritt wurde deshalb kurzerhand auf den zweiten Abend verschoben und Noemi trat an seine Stelle.

Fiorello sorgte mit einem schrill kostümierten Auftritt mit einer Rockversion des ersten Sanremo-Siegerlieds Grazie dei fior für einen fulminanten Auftakt, danach folgte der Wettbewerb der Newcomer mit der ersten Vierergruppe. Die Auftritte brachten wenige Überraschungen mit sich; Avincola konnte mit einem Fußball punkten, ließ dafür jedoch stimmlich etwas nach, der Rest entsprach den Erwartungen. Gaudiano mit Polvere da sparo und Folcast mit Scopriti zogen schließlich verdient in die nächste Runde (Freitag) ein.

Dann hatte Vorjahressieger Diodato seinen ersten Auftritt mit dem Siegerlied 2020, Fai rumore. Er schien nervöser als im Finale des letzten Festivals zu sein, die Stimme versagte im Refrain zwischenzeitlich. Im weiteren Verlauf wechselten sich zwischen 22 und 1 Uhr die 13 Teilnehmer der Hauptkategorie mit den weiteren angekündigten Gästen sowie mehreren mehr oder weniger originellen Einwürfen von Fiorello, Matilda De Angelis und Zlatan Ibrahimović ab.

Achille Lauro (Credits: Pietro Luca Cassarino, CC BY-SA 4.0)

Etwas enttäuschend, sicher in direkter Gegenüberstellung mit den Teilnehmern, war der sicht- und hörbare Playback-Einsatz bei den Auftritten von Loredana Bertè und Achille Lauro. Für Bertè hat das Playback schon fast Tradition, selbst bei ihrer Teilnahme 2012 hatte es entsprechende Vorwürfe gegeben; die Notwendigkeit des (mindestens Dreiviertel-)Playbacks bei Achille Lauro erschließt sich dagegen überhaupt nicht, auch wenn sein Hauptaugenmerk natürlich auf der (sicherlich beeindruckenden) optischen Präsentation lag.

Matilda De Angelis hielt einen eher wenig aufschlussreichen Vortrag über das Küssen und ihre Hoffnung, dass dieses bald wieder einfacher möglich sei, ohne Coronabeschränkungen. Überzeugender war ihr Auftritt als Komoderatorin, aber auch als Sängerin: Zusammen mit Fiorello trat sie mit dem Sanremo-Siegerlied von 1989, Ti lascerò, auf. Warum der Auftritt durch nicht enden wollendes Geplänkel von Fiorello und Amadeus eingeleitet werden musste, bleibt ein Rätsel.

Annalisa, die laut demoskopischer Jury beste Teilnehmerin des Abends (Credits: Ufficio Stampa Rai)

Ibrahimović, der erst wieder am Donnerstag zum Festival zurückkehren wird, punktete derweil mit seiner einschüchternden Körpergröße und einem sehr trockenen Humor. Diodato konnte gegen Ende noch zwei neuere Lieder präsentieren, bei denen er sich richtig gehen ließ und trotz der späten Stunde noch einmal gebündelte Energie auf die Bühne brachte. Die Abstimmung der demoskopischen Jury ergab eine nicht einmal so verkehrte Rangliste, die von Annalisa mit Dieci angeführt wird, vor Noemi mit Glicine und Fasma mit Parlami.

Es war ein durchwegs stimmiger Eröffnungsabend des 71. Sanremo-Festivals, der allen Traditionen treu blieb und der Musik genug Raum ließ. Das Fehlen des Publikums war überraschenderweise kaum spürbar. Meine Bewertungen der präsentierten Lieder folgen in einem eigenen Beitrag.

3 Gedanken zu „Rückblick auf den ersten Abend“

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