Der Abend der Cover brachte einige Höhe- und Tiefpunkte, wird aber wohl hauptsächlich wegen seines Überraschungsgastes in Erinnerung bleiben. Erstmals scheint auch der ursprüngliche Zeitplan deutlich durcheinander gekommen zu sein (was sicherlich nicht an der wenig sichtbaren Komoderatorin Maria Chiara Giannetta lag).

Viele der 25 Coverversionen blieben eher uninteressant und hatten es schwer, sich an den bekannten Originalen zu messen. Duettpartner:innen wirkten teilweise deplatziert oder wurden kaum eingesetzt (kein Vergleich zu Sanremo 2012!). Ein Höhepunkt war sicherlich Elisas Interpretation von Flashdance … What a Feeling (Irene Cara), begleitet von der Tänzerin Elena D’Amario und ergänzt durch eine Grußbotschaft von Giorgio Moroder aus Los Angeles. Erwartungsgemäß großartig das Duett von Mahmood & Blanco in Il cielo in una stanza (Gino Paoli), angenehm intimistisch Michele Bravis Lucio-Battisti-Tribut Io vorrei… non vorrei… ma se vuoi.

Giovanni Truppi brachte mit Vinicio Capossela und Mauro Pagani Nella mia ora di libertà von Fabrizio De André auf die Bühne, das trotz des etwas zu dick aufgetragenen Arrangements und einiger technischer Probleme eine schöne Abwechslung bot. Eine positive Überraschung war Matteo Romano, der in seinem Cover von Elton Johns Your Song zunächst zu schüchtern wirkte, dann aber neben Malika Ayane gut in seine Rolle fand. Ein Tiefpunkt hingegen war zweifellos das Duett von Irama und Gianluca Grignani, in dem Grignanis Rockstar-Allüren voll durchschlugen; ein völlig unkoordinierter Auftritt war das Ergebnis.

Im Normalfall kann der Cover-Abend Teilnehmenden und Zuschauenden etwas Abwechslung und Entspannung inmitten des Wettbewerbs bieten. Durch Amadeus’ Entscheidung, auch die Abstimmung über das beste Cover in die Gesamtwertung einfließen zu lassen (schon seit 2020), ist aber auch hier das Gesamtbild nicht aus den Augen zu verlieren. Deshalb wäre es sicher wünschenswert gewesen, wenn in den Regeln einige Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden wären, um wettbewerbsverzerrende Kunstgriffe zu vermeiden.

Bereits am Nachmittag war durchgesickert, dass Gianni Morandi sein nicht näher beschriebenes Medley zusammen mit dem Autor seines Wettbewerbsbeitrags, Jovanotti, singen werde. Jovanotti hatte vor Festivalbeginn wie in den Vorjahren eigentlich zu verstehen gegeben, nicht als Gast zu Verfügung zu stehen, obgleich er wiederholt von Amadeus eingeladen worden war. Nun kam er doch zu Morandi auf die Bühne, wo die beiden je zwei Lieder aus dem eigenen Repertoire neu interpretierten. Also strenggenommen schon keine richtigen Cover. Dazu kam, dass Jovanotti später am Abend auch noch einen (etwas schwer verständlichen) eigenständigen Gastauftritt hatte.

Maria Chiara Giannetta, Gianni Morandi, Jovanotti und Amadeus am Ende des vierten Abends. Jovanotti hält den Preis für das beste Cover.
Gianni Morandi und Jovanotti gewinnen den Preis für das beste Cover (Credits: Ufficio Stampa Rai)

Gianni Morandi, der durch Televoting und demoskopische Jury schon am Donnerstag einen deutlichen Schub in Richtung Podium erhalten hatte, konnte durch diesen mehr an ein eigenes Konzert erinnernden Auftritt mit Stargast natürlich mit Leichtigkeit alle Aufmerksamkeit des Abends auf sich ziehen. Der Gewinn des Preises für das beste Cover war entsprechend wenig überraschend und für sich allein genommen auch verdient. Dass ihn dies jedoch im Wettbewerb sogar bis auf Platz zwei der vorläufigen Gesamtwertung hob, verdient einen kritischen Blick.

Die Schwächen des schlecht ausbalancierten Abstimmungssystem werden ebenfalls Tag für Tag deutlicher. Es ist davon auszugehen, dass die Top 3 nach dem Finale, in dem zu 100 % das Televoting die Wertung bestimmt, unverändert bleiben wird; ein letztes bisschen Spannung kann dann wohl nur noch die Endrunde bieten. Davon trennen uns nun ohnehin nur noch wenige Stunden.

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