Beim zehnten Versuch nach Italiens Rückkehr zum ESC konnte Måneskin nun mit Zitti e buoni endlich den Gesamtsieg nach Italien holen. Für die Band, aber auch das Teilnehmerland Italien, ist es der krönende Abschluss einer jahrelangen Erfolgsgeschichte.

Måneskin gewinnt den ESC 2021 (Credits: EBU / Andres Putting)

Måneskin ging den geradezu klassischen Weg, was Erfolge in Musikwettbewerben angeht: Entdeckt in der Castingshow X Factor, neu lanciert durch das Sanremo-Festival und schließlich international prämiert im ESC, erinnert die Geschichte ein wenig an Italiens erste ESC-Siegerin Gigliola Cinquetti. Cinquetti wurde beim Newcomer-Wettbewerb von Castrocaro entdeckt, gewann Sanremo 1964 und im Anschluss den ESC. Im Gegensatz zu ihr haben die Mitglieder von Måneskin ihre Erfolge allerdings mit selbst geschriebenen Liedern begründet.

Für Italien bedeutet der Sieg ein erleichtertes Aufatmen nach zehn Jahren meist sehr erfolgreicher Beiträge, die den Gesamtgewinn aber immer wieder verpassten. Mit acht von zehn ESC-Beiträgen landete Italien seit seiner Rückkehr in den Top 10, davon zweimal auf dem zweiten und einmal auf dem dritten Platz. Außerdem gewannen die italienischen Beiträge 2011 die Jury- und 2015 die Publikumswertung. Das Sanremo-Festival dürfte, wenn sich diese Tendenz fortsetzt, dem schwedischen Melodifestivalen als erfolgreichstes Auswahlverfahren für ESC-Beiträge den Rang ablaufen.

Die Organisation des ESC 2022 wird die Rai unzweifelhaft vor einige Herausforderungen stellen. Im Februar 2022 muss zunächst das 72. Sanremo-Festival auf die Bühne gebracht werden, das im Moment noch auf der Suche nach einer neuen künstlerischen Leitung ist. Zusätzlich drei Monate später den europäischen Wettbewerb auszurichten, wird mit Sicherheit kein leichtes Unterfangen werden. Ob die beiden Veranstaltungen ein gemeinsames Organisationsteam bekommen oder gänzlich voneinander getrennt behandelt werden, bleibt abzuwarten.

Auch wenn sich diverse italienische Städte für die Ausrichtung des ESC interessiert haben, wird sich die Auswahl des Ortes realistischerweise auf die vier Städte Rom, Mailand, Turin und Bologna beschränken. Rom hat bereits (eher durchwachsene) Erfahrungen mit dem ESC, seit der Ausgabe 1991. Mailand kann als Weltstadt, Zentrum der italienischen Musikindustrie und Ausrichterin der Expo 2015 punkten. Turin hat sich seit der Rückkehr Italiens zum ESC schon mehrfach für die Ausrichtung der Veranstaltung interessiert und könnte durch die Nähe zur französischen Grenze auch einen zusätzlichen europäischen Flair mitbringen.

Die interessanteste Frage betrifft aber wohl die Moderation. Das spezielle Format des ESC und die erforderlichen Englischkenntnisse werden für viele der bekanntesten italienischen Moderator:innen große Hindernisse darstellen. Aus den Sanremo-Festivals der jüngeren Zeit kämen wohl am ehesten Michelle Hunziker und Pierfrancesco Favino (2018) in Frage. Denkbar wären sicherlich auch einige international tätige Schauspieler:innen oder Sänger:innen wie Laura Pausini oder Tiziano Ferro. Am wahrscheinlichsten scheint im Moment die Beteiligung der neuen „Wunderwaffe“ der Rai, Alessandro Cattelan, bekannt als Moderator von X Factor auf Sky: Er brächte die Erfahrung mit Musikshows für jüngere Generationen mit sich und ist schon länger für die Sanremo-Moderation im Gespräch.

Man darf auf jeden Fall gespannt sein, was Italien sich für Sanremo 2022 und den ESC 2022 einfallen lässt!

2 Gedanken zu „Måneskin bringt den ESC 2022 nach Italien“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.