Der Sieg der Rockband Måneskin beim Sanremo-Festival 2021 kam zwar nicht ganz unerwartet, wird aber teilweise als geradezu historisch bewertet. Zurecht?

Die Sanremo-Sieger Måneskin (Credits: Måneskin, CC BY-SA 4.0)

Rockmusik kann auf jeden Fall über die gesamte Geschichte des Festivals als äußerst unüblich und wenig erfolgsversprechend für den Wettbewerb betrachtet werden. Tatsächlich gilt der Siegertitel des 43. Festivals (1993), Mistero von Enrico Ruggeri, als der erste Rocksong, der in Sanremo Erfolg hatte. Erst beim 66. Festival 2016 konnte die Band Stadio daran anknüpfen und überraschend mit der Powerballade Un giorno mi dirai den Sieg davontragen. Damit ist Zitti e buoni erst der dritte Rocksong, der jemals das Sanremo-Festival gewinnen konnte.

Mistero von Enrico Ruggeri, der erste Rocksong, der das Sanremo-Festival gewinnen konnte (1993)

Und nicht nur das Genre ist untypisch: Unter den bisherigen Sanremo-Siegern (Doppelinterpretationen werden einzeln gezählt, Mehrfachsiege nur je einmal) sind 38 Solointerpreten, 20 Solointerpretinnnen, fünf Duos und zwei Trios, aber nur sieben Bands: die New Christy Minstrels 1965, Homo Sapiens 1977, Matia Bazar 1978 und 2002, Ricchi e Poveri 1985, Pooh 1990, Avion Travel 2000 und Stadio 2016. Måneskin ist also die achte (oder, je nach Definition, auch erst sechste) Band, die es in Sanremo ganz nach oben schaffte.

Weniger untypisch ist hingegen der Weg zum Festival, den Måneskin hinter sich hat: Die Band ging aus der Castingshow X Factor hervor. Dies entspricht dem allgemeinen Trend in der italienischen populären Musik des neuen Jahrtausends, die Präsenz von Castingshow-Abgängern in Sanremo war in den letzten zwei Jahrzehnten entsprechend hoch.

Aus X Factor (seit 2008) gingen neben Måneskin weitere zwölf Sanremo-Teilnehmer hervor (darunter Sieger bzw. Newcomer-Sieger Marco Mengoni und Antonio Maggio). Aus der Castingshow Amici di Maria De Filippi (seit 2002) nahmen mehr als 20 Teilnehmer auch am Sanremo-Festival teil, wovon drei auch gewinnen konnten (Marco Carta, Valerio Scanu, Emma). Im Teilnehmerfeld des Festivals 2021 stammten neben Måneskin fünf weitere Kandidaten aus einer der beiden großen Castingshows.

Mit Blick auf den Eurovision Song Contest wird Måneskin erst die dritte Band nach Matia Bazar und Ricchi e Poveri sein, die Italien vertritt. Am Genre im weitesten Sinn hat sich Italien bislang lediglich 2014 mit Emmas La mia città versucht, was aber eines der schlechtesten Ergebnisse aller Zeiten zur Folge hatte. Dennoch könnte Rock diesmal durchaus erfolgsversprechend sein – es wird sich im Mai zeigen.

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