Nach zwei ESC-Finalteilnahmen in Folge scheint San Marino es unbedingt wissen zu wollen. Die ans Sanremo-Festival angelehnte Vorentscheidungsshow Una voce per San Marino soll für weitere Erfolge beim Eurovision Song Contest sorgen.

Man machte von Anfang an keinen Hehl daraus, dass man sich für die Veranstaltung ein Vorbild am Sanremo-Festival nahm. Musikfestivals sind dem Zwergstaat nicht fremd, so begann etwa Cesare Cremoninis Band Lùnapop ihre kurze Erfolgsgeschichte 1999 beim Festival von San Marino. Auch die Band Miodio, erste Vertreterin San Marinos beim ESC, hatte dieses Festival durchlaufen. Una voce per San Marino scheint diese Tradition nun wieder aufleben zu lassen.

Im Finale am 19. Februar 2022 wurden 18 Beiträge präsentiert, die aus einer langwierigen, (halb-)öffentlichen Vorauswahl hervorgegangen waren. Wie in Sanremo gab es eine Newcomer-Kategorie und eine Hauptkategorie, die im Finale in einem gemeinsamen Wettbewerb antraten. Auch das enge Theater, die sehr förmliche Ansage der Lieder, die Gastauftritte und die vergebenen Preise erinnerten sehr an Sanremo. Die Anwesenheit von Stargast Al Bano, die Jurypräsidentschaft von Mogol (dem bedeutendsten Liedtexter Italiens), die Erinnerungen an verstorbene Altstars (Little Tony und Raoul Casadei) und die Grüße an Dirigent Peppe Vessicchio (der im Publikum saß) taten ein Übriges.

Getrübt wurde die Sanremo-Reminiszenz durch die erschreckend schlechte Tonqualität und den verständlichen Wegfall des Orchesters. Dass die präsentierten Lieder durchgehend kürzer als 3 Minuten und teilweise auf Englisch waren, erinnerte ebenso daran, dass San Marino sein eigenes Ding dreht. Die Abstimmung schließlich war deutlich übersichtlicher als in Sanremo, aber auch sehr vorhersehbar: Aus der reinen Juryabstimmung ging das von der Festivalleitung gewünschte Ergebnis hervor. Damit wurde praktisch der Mechanismus von Sanremo Giovani 2021 übernommen.

Achille Lauro sitzt in blau-kariertem Anzug vor mehreren Lautsprechern
Achille Lauro (Credits: Ufficio Stampa Rai)

Trotzdem erscheint das Podium des Finales sehr plausibel: Der Newcomer-Sieger Aaron Sibley belegte den dritten Platz, Burak Yeter und Alessandro den zweiten Platz und Achille Lauro holte mit Stripper den Sieg. Damit wird beim ESC 2022 für San Marino ein weiterer Sanremo-Abgänger ins Rennen gehen. Gleichzeitig gewann im Übrigen die Sängerin Emma Muscat, die in Italien Karriere gemacht hat und sich laut Gerüchten wohl vergeblich für Sanremo 2022 beworben hatte, die Vorentscheidung in Malta.

Der ESC 2022 steht damit immer mehr im Zeichen von Sanremo – im Grunde eine längst fällige Rückkehr zu den Wurzeln!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.