Ein weiterer überlanger Abend, der um 2 Uhr morgens sein Ende fand. Geboten wurden: Das Finale der Newcomer-Kategorie, ein Gesamtdurchlauf der Hauptkategorie und verschiedene Gastauftritte.

Die vier Newcomer traten alle noch einmal mit ihrem Beitrag auf, unter den Augen der Dirigentin Beatrice Venezi. Wrongonyou machte mit Lezioni di volo den Schluss: Er war diesmal deutlich stimmsicherer, aber wirkte immer noch etwas eingeschüchtert. Davide Shorty konnte für Regina den Pressepreis entgegennehmen, Wrongonyou erhielt den Kritikerpreis. Sieger der Kategorie wurde, nach einer kombinierten Abstimmung aus demoskopischer Jury, Pressejury und Televoting, Gaudiano mit Polvere da sparo. Ein sehr verdienter Sieg angesichts Gaudianos absolut souveräner Auftritte, doch der vierte Platz für Wrongonyou kam überraschend. Glücklicherweise waren die Sonderpreise gut verteilt.

Gaudiano, Sieger der Newcomer-Kategorie (Credits: Ufficio Stampa Rai)

In der Hauptkategorie gab es nur wenig spürbare Veränderung gegenüber den ersten Auftritten. Max Gazzè und Lo Stato Sociale kamen beide mit einer neuen Bühnenshow (man darf wohl auf das Finale gespannt sein), die anderen Auftritte blieben der ersten Präsentation überwiegend treu. Leichte Verbesserungen zeigten Francesca Michielin & Fedez und Bugo. Ein Mikrofonproblem hatte diesmal Francesco Renga, der sein Lied daher gleich zweimal hintereinander singen durfte.

Die Komoderatorin des Abends, Barbara Palombelli, war aktiver ins Geschehen involviert als ihre Vorgängerin und hielt zu später Stunde einen bemerkenswerten Monolog über ihre Karriere, der von Auszügen aus älteren Sanremo-Liedern begleitet wurde. Im Gegensatz dazu blieb Zlatan Ibrahimović passiv und wirkte erneut eher fehl am Platz. Der kurze Auftritt von Amadeus und Fiorello als Sabrina Salerno und Jo Squillo mit Siamo donne (Sanremo 1991) war unterhaltsam, aber leider viel zu kurz.

Der große musikalische Gast des Abends war Mahmood, Sanremo-Sieger 2019. Er präsentierte ein atemberaubendes Medley seiner Hits Rapide, Inuyasha, Barrio, Calipso, Dorado und Soldi und sorgte dabei auch mit seinem ungewöhnlichen Outfit für Aufsehen. Von Fiorello herausgefordert, versuchte er sich im Anschluss sogar am Jodeln. Deutlich blasser blieb hingegen Alessandra Amoroso bei ihrer Gesangseinlage zusammen mit Emma Marrone; gelungener war ihr den Beschäftigten der Veranstaltungsbranche gewidmetes Lied, mit dem sie einen Monolog der Schauspielerin Matilde Gioli und Applaus bekannter Musiker von einer Videowand begleitete.

Achille Lauro präsentierte diesmal seine beiden Sanremo-Beiträge Rolls Royce und Me ne frego, begleitet von seinem Produzenten Boss Doms. Die italienische Flagge und Nationalhymne wurden ebenso unbarmherzig ins Getümmel geworfen wie Mendelssohns Hochzeitsmarsch und einige leidenschaftlich zelebrierte Küsse. Auch Fiorello wirkte mit großem Einsatz an dem völlig übertriebenen Auftritt mit, der wohl den Camp– und Provokations-Bedarf des Festivals für mehrere Jahre deckte.

Als Überraschung trat gegen Ende noch Enzo Avitabile mit einer Hommage an Renato Carosone auf (tatkräftig unterstützt von Amadeus und Fiorello), bevor der Durchlauf der Teilnehmer ein Ende fand und die Wertung der Pressejury bekanntgegeben wurde: Es führen Colapesce & Dimartino (wie schon vor dem Festival deutlich geworden war), vor Måneskin und Willie Peyote.

Die Gesamtwertung blieb nach wie vor in den Händen von Ermal Meta (der bei der Presse auf Platz fünf gelandet war), allerdings nun gefolgt von Willie Peyote und Arisa. Am Finalabend kann das Televoting noch einmal für Veränderung sorgen.

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