Der dritte Abend des Festivals ist dieses Jahr nicht der Geschichte des Festivals oder der Geschichte der italienischen populären Musik insgesamt gewidmet, sondern konkret der canzone d’autore. Dass das Verhältnis zwischen Sanremo und dem Autorenlied immer ein schwieriges war, ist bekannt, daher ist diese Wahl von Amadeus eine gewagte, die zweifellos Raum für Polemik lässt.

Fabrizio De André und Francesco Guccini, zwei der bedeutendsten Vertreter des italienischen Autorenlieds, im Jahr 1983 (Credits: Raffaella Cavalieri)

Wenn man bei der vorläufigen Liste der angekündigten Coverversionen nach den bedeutendsten Vertretern des Autorenlieds sucht, fällt sofort eine große Lücke auf: Offenbar hat es keiner der Teilnehmer gewagt, ein Lied von Fabrizio De André anzufassen. Auch Francesco De Gregori glänzt durch Abwesenheit. Francesco Guccini ist zwar vertreten, allerdings mit Cirano, einem der wenigen Lieder, das er nicht selbst geschrieben, sondern lediglich neu bearbeitet hatte. Für Irama als Interpret dürfte das Lied dennoch ein Wagnis sein, angesichts der reservierten Haltung der Kritiker ihm gegenüber.

Gleichzeitig haben es zwei Lieder von Jovanotti in die Auswahl geschafft, die den Autorenlied-Begriff schon sehr strapazieren. Dass zwei ursprünglich von Ornella Vanoni interpretierte Lieder präsentiert werden, dürfte mit dem Preis für ihr Lebenswerk zusammenhängen, der ihr während dieses Festivals überreicht werden soll. Es handelt sich zweifellos um Lieder namhafter Autoren, aber das allein macht sie im gängigen Sinn nicht zu Autorenliedern. Ähnliches gilt für das Lied von Caterina Caselli. Positiv fällt auf, dass Luigi Tenco nicht schon wieder mit dem leider etwas abgenutzten Ciao, amore ciao geehrt wird, sondern mit Mi sono innamorato di te, das auch Tiziano Ferro beim Festival 2017 interpretierte.

Unter den angekündigten Duettpartnern ist fünfmal der Originalinterpret (und -autor) des gecoverten Liedes: Es sind dies Nesli, Neri per Caso, Donatella Rettore, Neffa und Samuele Bersani. Interessant ist auch die Teilnahme Manuel Agnellis an der Seite von Måneskin mit einem Lied von CCCP – Fedeli alla linea, während eines seiner eigenen Lieder von Lo Stato Sociale gecovert wird. Vielversprechend scheinen daneben die beiden internationalen Duettpartner: Der Münchner Trautonium-Virtuose Peter Pichler begleitet Extraliscio und Davide Toffolo, während die belgisch-kongolesische Musikerin Lous and the Yakuza zusammen mit Gaia auftreten wird.

Ob der Duettabend seinem hochgesteckten Ziel gerecht werden wird, das italienische Autorenlied zu präsentieren, mag bezweifelt werden. Die Liederauswahl und die ungewöhnliche Abfolge und Kombination von Interpreten sind aber abwechslungsreich genug, um für einen interessanten Abend zu sorgen. Und Ermal Meta, der zweite Vertreter der goldenen Generation, verdient hier noch einmal besondere Aufmerksamkeit: Immerhin gewann er beim Festival 2017 mit seiner eindrucksvollen Neuinterpretation von Domenico Modugnos Amara terra mia den Preis für das beste Cover.

2 Gedanken zu „Autorenlied oder doch nicht?“

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