Sanremo 2026: Der dritte Abend
Auch der dritte Abend des Sanremo-Festivals 2026 ist geschafft! Hier der allabendliche kurze Rückblick.
Auch der dritte Abend des Sanremo-Festivals 2026 ist geschafft! Hier der allabendliche kurze Rückblick.
Erstmals eröffneten Carlo Conti und Laura Pausini den Abend Seite an Seite. Da aber erst das Finale des Newcomer-Wettbewerbs anstand, gaben sie die Moderation gleich wieder an Gianluca Gazzoli ab. Dieser führte professionell, aber etwas zu pflichtbewusst durch das sehr kurze Duell zwischen Angelica Bove und Nicolò Filippucci. Die Auftritte waren beide sehr stark, aber das Ergebnis konnte nicht überraschen. Filippucci gewann ohne Schwierigkeiten (mit 75 % der Stimmen im Televoting!), Bove wurde mit den Sonderpreisen (sowohl Kritiker- als auch Pressepreis) abgespeist.

Nach diesem sehr kurzen „Höhepunkt“ (leider in Anführungszeichen) begannen die Auftritte der 15 verbliebenen Teilnehmenden. An diesem Abend waren sie auffällig zerpflückt, mit ständigen längeren Unterbrechungen zwischen den Auftritten. Erst in der letzten Stunde wurde es etwas flüssiger. Es gab keine besonderen Zwischenfälle, aber die Standing Ovation für Sal Da Vinci war jedenfalls auffällig. Die Komoderation übernahmen das russische Model Irina Shayk, die durch gewagte Outfits und fehlende Italienischkenntnisse auffiel, sowie der Komiker Ubaldo Pantani, der die meiste Zeit den Unternehmer Lapo Elkann parodierte. Shayk wirkte eher fehl am Platz, während Ubaldi doch relativ unterhaltsam war.
Den ersten Gastauftritt hatte Liedtexter Mogol, der für sein beeindruckendes Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Die zahlreichen Klassiker, an denen er beteiligt war (darunter immerhin 45 Sanremo-Beiträge), sind aus der italienischen populären Musik nicht wegzudenken. Es wurden einige mitreißende Video-Zusammenschnitte gezeigt und das Saalpublikum hatte Gelegenheit, mitzusingen. Den Preis verdient Mogol zweifellos, durch seine unnötigen polemischen Kommentare zum Sanremo-Festival in den letzten Jahren hat die Auszeichnung allerdings einen leichten Beigeschmack.

Schon relativ früh trat Laura Pausini gemeinsam mit dem Kinderchor Piccolo Coro dell’Antoniano auf. Sie sangen Heal the World in einer sehr aufwändigen Inszenierung, in der vor allem Pausini brillierte. Die beabsichtigte Friedensbotschaft geriet leider reichlich banal, mit Contis uninspirierter Einleitung und der Einblendung „Make Music Not War“. Conti leitete direkt im Anschluss auch noch auf Lieder aus dem Repertoire des Kinderchors aus dem Zecchino d’oro über. Und schließlich kam erneut Irina Shayk auf die Bühne, die sich bei der Pressekonferenz des Tages noch geweigert hatte, den Ukrainekrieg zu kommentieren. Eine ungünstige Konstellation.
Auf dem Suzuki Stage präsentierten The Kolors einige ihrer Hits in teils neuen Versionen und hatten auch ihren Überraschungsgast vom letzten Jahr, den Tänzer Fru, wieder dabei. Auf der Costa Toscana hatte Max Pezzali wieder einen erstaunlich aufwändigen Party-Auftritt vorbereitet.


Ein wirklich bemerkenswerter Moment war der Auftritt von Eros Ramazzotti. Eingeleitet durch einen Einspieler von Pippo Baudo, sang er erst seinen Siegertitel von 1986, Adesso tu, und holte dann Alicia Keys auf die Bühne. Das Duett der beiden in L’aurora war zwar von Problemen geplagt (kein Ton in den In-Ears, schlechte Kameraarbeit), wird aber positiv in Erinnerung bleiben. Keys sang im Anschluss auch noch einen Ausschnitt aus Empire State of Mind, wobei sie einen Verweis auf Sanremo einbaute. Es wurde auf jeden Fall deutlich, dass internationale Gäste durchaus eine Bereicherung sein können.
Während einer anderen Unterbrechung führte Conti ein Videogespräch mit einem jungen Reha-Patienten, um eine Botschaft gegen Jugendgewalt zu senden. Einen weiteren Auftritt hatten Virginia Raffaele und Fabio De Luigi, die in einem chaotischen Act in Zusammenarbeit mit dem Orchester ihren neuen Film lancierten. Komiker Vincenzo De Lucia, der bereits an den ersten beiden Abenden kurze Auftritte als Pausini-Imitation hatte, hatte diesmal einen längeren Auftritt, bei dem er nun Laura Pausini gegenüberstand – eine sehr amüsante Szene, in der sich auch Pausini überaus souverän zeigte. Die Anwesenheit von Moderatorin Simona Ventura im Publikum nutzte Conti, um den anstehenden San Marino Song Contest 2026 zu bewerben.





Nach den 15 Auftritten war Warten auf das Ergebnis des Televotings angesagt. Hier durfte in erster Linie Ubaldo Pantani mit Imitationen verschiedener Prominenter Zeit schinden. Am Ende kam auch Vincenzo De Lucia als Maria De Filippi zurück, und verteilte ein paar Seitenhiebe auf Politik und die Rai. Schließlich wurden die fünf Bestplatzierten des Abends (50 % Radiojury, 50 % Televoting) bekanntgegeben: Arisa, Luchè, Sal Da Vinci, Sayf und Serena Brancale. Keine Überraschungen also, und auch die mittlerweile wieder hörbare Debatte um den Gender-Gap in Sanremo dürfte dadurch vorläufig etwas gedämpft werden.
Alles in allem ein eher zäher Abend, der aber doch schon kurz nach 1 Uhr endete.
