Sanremo 2026: Der vierte Abend
Der vierte Abend des Sanremo-Festivals 2026, der bislang längste, liegt hinter uns. Ein Rückblick auf eine ereignisreiche Show.
Der vierte Abend des Sanremo-Festivals 2026, der bislang längste, liegt hinter uns. Ein Rückblick auf eine ereignisreiche Show.
Diesmal durfte Laura Pausini den Abend direkt mit einem Hitmedley einleiten, das sie draußen vor dem Ariston-Theater begann und dann nach einem triumphalen Einmarsch auf der Bühne abschloss. Dabei wurde die Friedensbotschaft vom dritten Abend, „Make Music Not War“, wiederholt, diesmal auf übergroßen Fahnen. Danach legten Carlo Conti und sie eilig los, immerhin mussten 30 Teilnehmende und noch mehr Gäste auftreten. Conti brachte in der Eile auch noch die Auftrittsreihenfolge durcheinander, was er später korrigierte.

Neben der bereits angekündigten Bianca Balti stieß überraschend auch der Komiker Alessandro Siani als Komoderator dazu. Balti überzeugte mit ihrer sehr sympathischen und herzlichen Art und war eine wirklich positive Präsenz. Siani blieb eher unauffällig, aber konnte einige humorvolle Momente kreieren. Pausini war gewohnt souverän und Carlo Conti wirkte deutlich gelassener als an den Abenden zuvor.
Elettra Lamborghini hatte die undankbare Aufgabe, den Coverabend zu eröffnen. Trotz der noch immer großen Popularität von Aserejé taten sie und Las Ketchup sich schwer, das Saalpublikum zu so früher Stunde zu animieren. Danach gab es eine schnelle Abfolge von Duetten verschiedenster Natur, mal unauffällig, mal herausragend. Levante hatte sich Gaia an die Seite geholt und präsentierte eine sehr queere Version von Gianna Nanninis I maschi. Dass der finale Kuss zwischen den Sängerinnen dem Publikum durch die Kameraführung unnötigerweise vorenthalten wurde, hat bereits eine Diskussion wegen möglicher Zensur ausgelöst.
In Erinnerung wird auch der feurige Auftritt der Bambole di pezza mit Cristina D’Avena bleiben. Die Rockversion von Occhi di gatto (dem italienischen Titelsong der Animeserie Cat’s Eye) funktionierte erstaunlich gut. Anschließend brachte Dargen D’Amico mit Pupo und Fabrizio Bosso eine Konstellation auf die Bühne, die unangenehm an Pupos Sanremo-Teilnahme 2010 erinnerte. Der Mashup von Pupos Su di noi und Boris Vians Il disertore kam mit einer starken Anti-Kriegs-Botschaft, die aber durch Pupos bekannte Russlandaffinität sehr zweifelhaft wirkte.

Einen (erwartbaren) Überraschungsmoment hatte Tredici Pietro vorbereitet: Obwohl er bereits zwei offizielle Gäste mitgebracht hatte, stieß auf der Bühne unter großem Jubel auch noch sein Vater Gianni Morandi dazu, immerhin auch einer der Originalinterpreten. Damit war uns auch 2026 wieder ein Auftritt Morandis in Sanremo gegönnt. Sehr gelungen war das Cover von Parole parole durch Fulminacci und Francesca Fagnani, wobei sie die Geschlechterrollen vertauschten. LDA und Aka 7even konnten mit Tullio De Piscopo die Stimmung richtig aufheizen und zeigten erneut, wie viel Spaß ihnen diese Sanremo-Teilnahme zu machen scheint.
Im Duett von Ditonellapiaga und TonyPitony zu The Lady Is a Tramp imitierte die Sängerin sehr gezielt Lady Gaga. Der Auftritt konnte sowohl musikalisch als auch durch die stimmige Bühnenshow überzeugen. TonyPitonys Elvis-Maske sorgte im Anschluss noch für einige virale Momente mit Carlo Conti. Serena Brancale wartete mit einer sehr raffinierten Darbietung von Bésame mucho auf, in der auch Gregory Porter glänzen konnte. Ebenfalls sehr international gab sich Sayf, der mit Hit the Road Jack viel chaotische Energie ins Ariston-Theater brachte und überraschend auch selbst Trompete spielte.
Sal Da Vinci hatte mit Cinque giorni ein eher unauffälliges Lied gewählt, konnte aber das Saalpublikum gemeinsam mit Michele Zarrillo erneut begeistern. Dagegen präsentierten Fedez und Marco Masini zu Meravigliosa creatura einen sehr durchdachten, ernsten Auftritt, der aber zu bedeutungsschwer wirkte. Ermal Meta konnte vor allem stimmlich glänzen, ging aber ansonsten wie viele andere Teilnehmende eher unter. Eine gute Liedwahl hatte Nayt getroffen: Sein intimes Cover von Fabrizio De Andrés La canzone dell’amore perduto gemeinsam mit Vorjahresteilnehmerin Joan Thiele vermittelte viel Gefühl.
Der Auftritt von Francesco Gabbani mit seinem Vorjahresbeitrag auf dem Suzuki Stage blieb inmitten all der ereignisreichen Duette etwas blass. Auch Max Pezzali hatte sich auf der Costa Toscana für einen ruhigen Auftritt entschieden, in dem er die „goldenen“ 90er-Jahre hochleben ließ. Die einzigen weiteren Gäste des Abends waren Caterina Caselli, die für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurde, und der Wissenschaftsinfluencer Vincenzo Schettini, der zu Abhängigkeit unter Jugendlichen sprach.



Mit 10 Minuten Verspätung erreichte der Abend schließlich um 1:40 Uhr sein Ende (ein weiterer Auftritt mit dem Siegertitel wurde ganz gestrichen). Die Top 10 hielt einige Überraschungen bereit, etwa das Herausfallen von Serena Brancale und Fedez & Marco Masini. Platz 3 belegte Arisa, Platz 2 Sayf und Platz 1 – gemäß Erwartungen – Ditonellapiaga (oder vielmehr TonyPitony). Was dies für die Chancen der Teilnehmenden im Finale bedeutet, ist unmöglich zu sagen – doch Ditonellapiaga darf sich auf jeden Fall über ein wenig zusätzliche Aufmerksamkeit freuen.
