Sanremo 2026: Der erste Abend

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Das war er, der erste Abend des Sanremo-Festivals 2026! Hier ein kurzer Rückblick auf die Ereignisse des Abends.

Das war er, der erste Abend des Sanremo-Festivals 2026! Hier ein kurzer Rückblick auf die Ereignisse des Abends. Meine ersten Eindrücke der 30 Lieder werde ich dagegen in einem eigenen Beitrag beschreiben.

Nahaufnahme von Carlo Conti mit angeklebtem Mikrofon
Carlo Conti (Credits: Christian Turba, CC BY-SA 4.0)

Der Abend begann pünktlich um 20:40 Uhr mit einem imposanten Orchesterintro, das im traditionellen Sanremo-Jingle Perché Sanremo è Sanremo aufging. Direkt im Anschluss wurde eine Aufnahme von Pippo Baudo eingespielt, der damit postum das Festival 2026 eröffnen durfte. Die Kinder Baudos saßen im Publikum. Sehr viel mehr wurde über Baudo nicht gesagt, was vielleicht auch besser ist, da sein (bleibendes) Erbe für die italienische Fernsehkultur sicherlich nicht unumstritten ist. Später wurde auch noch ein berührender Zusammenschnitt von Sanremo-Auftritten zum Gedenken an Peppe Vessicchio gezeigt.

Der erste, nun von Carlo Conti angekündigte, Auftritt gebührte Olly als Vorjahressieger. Balorda nostalgia, sein Siegerlied und das erfolgreichste Lied des Jahres 2025 in Italien, wurde schön in Szene gesetzt und gab dem Saalpublikum eine erste Gelegenheit, lauthals mitzusingen. Komoderatorin Laura Pausini machte von Anfang an eine gute Figur und auch Can Yaman kam beim Publikum gut an. Das gelegentliche Geplänkel zwischen Pausini und Yaman war zwar amüsant, schien aber nicht zu Ende gedacht zu sein.

Can Yaman mit offenem, schulterlangem Haar blickt zum linken Bildrand. Er trägt ein offenes Jackett, darunter ein helles Oberteil und eine Halskette mit einem Kreuz.
Can Yaman (Credits: Istituto Comprensivo Statale Giovanni XXIII – Pascoli, CC BY 3.0 IT)

Die Auftritte der Teilnehmenden gingen flüssig und (fast) ohne Zwischenfälle über die Bühne. Zu den Liedern schreibe ich mehr in einem eigenen Beitrag. Auffällig war eine größere Kreativität bei der Bühnenshow, wobei man auch Tänzer:innen und Requisiten nicht scheute. Entsprechend uninspiriert wirkten im Vergleich dazu aber einige der „klassischeren“ Auftritte. Ein echtes Gleichgewicht war hier (noch) nicht zu erkennen. Auch die Kamera schien mit einigen der Bühnenshows ihre Schwierigkeiten zu haben.

Bemerkenswert war, dass Carlo Conti den Auftritt von Ermal Meta zum Anlass nahm, einen kurzen Satz zu unter Kriegen leidenden Kindern einzuflechten. Ein so direktes Aufgreifen eines teilnehmenden Liedtextes ist eher unüblich und gerade beim politisch so betont neutralen Conti eine Überraschung. In der Auftrittsreihenfolge gab es eine kleine Änderung: Gegen Ende wurden Chiello und Bambole di pezza ausgewechselt, was wohl am benötigten Bühnenumbau für die Band lag. Der einzige technische Fehler ereignete sich schließlich bei Tredici Pietro, dessen Mikrofon anfänglich nicht funktionierte, was aber schnell korrigiert wurde.

Eine weitere Auffälligkeit war, dass das Saalpublikum in einigen Fällen bereits bei den eingespielten „Hits“ der Teilnehmenden lauthals mitsang. Dies war bei Sal Da Vinci (mit Rossetto e caffè) und Francesco Renga (mit Angelo) am stärksten zu hören. Ob dies in den kommenden Tagen einen Einfluss auf die Stimmung des Fernsehpublikums haben kann, bleibt abzuwarten. Allerdings hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass der Geschmack des Saalpublikums auf der einen Seite und des Fernsehpublikums auf der anderen Seite oft weit auseinander liegen.

Tiziano Ferro steht vor einem Standmikrofon, umklammert es mit der linken Hand und singt hinein; er trägt eine schwarze Hose und ein schwarzes Hemd. Hinter ihm sind Publikum und ein Schweinwerfer zu erkennen.
Tiziano Ferro (Credits: Pakeha, CC BY-SA 4.0)

Die Gäste waren überwiegend gut platziert. Die 105-jährige Zeitzeugin Gianna Pratesi erzählte im Gespräch mit Carlo Conti von ihrer Jugend und dem Referendum über die Staatsform Italiens 1946. Sie erwies sich als sehr gesprächig und hatte auch einen politischen Seitenhieb parat („wir waren alle links“). Im Hintergrund leistete sich die Rai leider einen peinlichen Schreibfehler („Repupplica“ statt „Repubblica“). Tiziano Ferro hatte einen soliden Auftritt mit einem Hitmedley und seiner aktuellen Single. Wie immer stellt man sich bei ihm aber die Frage, ob er sich nicht irgendwann doch entscheidet, als Teilnehmer nach Sanremo zu kommen.

Das Aufeinandertreffen der zwei Sandokan-Darsteller Can Yaman und Kabir Bedi zu später Stunde war etwas langgezogen und wohl nur für eine kleine Publikumsnische wirklich interessant. Die zwei weiteren musikalischen Auftritte auf dem Suzuki Stage und der Costa Toscana hingegen funktionierten wieder gut: Gaia konnte noch einmal die Musik des Festivals 2025 in Erinnerung rufen und Max Pezzali präsentierte ein gelungenes Hitmedley.

Der Abend war trotz seiner Länge relativ kurzweilig und endete gut zehn Minuten früher als geplant. Die fünf Teilnehmenden mit den meisten Stimmen aus der Pressejury waren (in zufälliger Reihenfolge): Arisa, Fulminacci, Serena Brancale, Ditonellapiaga und Fedez und Marco Masini. Die einzige Überraschung darunter dürfte Arisa sein.

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