Sanremo 2027: Alles neu?

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Die Regeln des Sanremo-Festivals 2027 wurden endlich veröffentlicht. Es gibt viel Neues, aber auch Kontinuität.

Die Regeln des Sanremo-Festivals 2027 wurden endlich veröffentlicht. Es gibt viel Neues, aber auch Kontinuität.

Symbolbild eines Regelwerks

Dass Stefano De Martino einige geradezu radikal anmutende Änderungen am Sanremo-Festival vornehmen würde, wurde allgemein erwartet. Die größeren Neuerungen waren auch bereits durchgesickert, in den Details gibt es aber doch Überraschungen. Klar muss aber auch sein: Die Regeln können sich bis zum Beginn des Festivals theoretisch noch beliebig oft ändern, das letzte Wort muss also noch nicht gesprochen sein.

Teilnehmende

Es wird 2027 am Ende 24 Sanremo-Teilnehmende geben, die mit ihren Liedern in einer Einheitskategorie antreten. Davon werden 23 von De Martino direkt ausgewählt, eine:r hingegen qualifiziert sich durch das Newcomer-Finale Sarà Sanremo am 18. Dezember 2026. Mit 24 wäre die Teilnehmendenzahl damit deutlich niedriger als in den Vorjahren (2026 waren es 34 in zwei Kategorien).

Lieder

Die Kriterien für die teilnehmenden Lieder sind weitestgehend gleich geblieben: Sie müssen in italienischer Sprache, neu und maximal 3:30 Minuten lang sein und dürfen nicht gesetzeswidrig sein. Eine wichtige Neuerung ist allerdings die explizite Ergänzung, dass die Lieder der menschlichen Kreativität entsprungen sein müssen, also keine generative KI verwendet werden darf. Die italienische Musikindustrie hatte auf diese Änderung schon seit längerer Zeit angedrungen.

Bei den Coverversionen gilt eine maximale Länge von 4 Minuten (hier macht De Martino die Verkürzung des Vorjahres wieder rückgängig). Außerdem müssen sie innerhalb 2026 veröffentlicht worden sein.

Porträt des italienischen TV‑Moderators Stefano De Martino: Er steht vor einem neutralen Hintergrund, trägt einen dunklen Pullover und blickt leicht lächelnd in die Kamera.
Stefano De Martino, künstlerischer Leiter des Sanremo-Festivals (Credits: Funweek.it, CC BY 3.0)

Ablauf

Große Eingriffe gab es beim geplanten Ablauf. Sowohl am ersten als auch am zweiten Abend sollen jeweils alle 24 Teilnehmenden mit ihren Wettbewerbsbeiträgen ins Rennen gehen. Der Cover- und Duettabend wird (wie zuletzt 2021) auf den dritten Abend vorgezogen. Dies macht den Weg frei für den sogenannten „Performance“-Abend am Freitag, an dem alle 24 Teilnehmenden erneut ihr teilnehmendes Lied präsentieren, diesmal jedoch mit „Ausführungs-, Interpretations- und/oder Inszenierungsweisen, die sich von denen der anderen Abende unterscheiden“. Dieser Abend soll der Bestimmung des italienischen ESC-Beitrags dienen.

Am Samstag schließlich findet wie üblich das Finale statt, mit einem letzten Auftritt aller 24 Teilnehmenden, aus denen über eine Endrunde (Top drei bis Top fünf, das hält man sich noch offen) der Siegerbeitrag des Sanremo-Festivals bestimmt wird.

Abstimmung

Auch am Abstimmungsmodus wurde wieder ordentlich gebastelt. Es soll drei voneinander getrennte Rankings geben: einmal das Ranking des Coverabends; dann das Ranking des Performance-Abends; und schließlich das allgemeine Ranking des Festivals, das die Abende 1, 2 und 5 sowie die Endrunde umfasst. Am Coverabend stimmen wie gewohnt Publikum (34 %), Pressejury (33 %) und Radiojury (33 %) ab. Am Performance-Abend hingegen soll eine „internationale Jury“ eingeführt werden, die gemeinsam mit dem Publikum (je 50 %) abstimmt.

Für das allgemeine Ranking ist die Abstimmung wie immer mehrstufig, wobei alle Abstimmungsrunden am Ende zusammengerechnet werden. Am ersten Abend stimmen Pressejury (67 %) und Publikum (33 %), am zweiten Abend Radiojury (67 %) und Publikum (33 %) und am fünften Abend alle drei gemeinsam (34 % Publikum und je 33 % Jurys) ab. In der Endrunde kann nur noch das Publikum abstimmen, doch auch diese Runde wird wieder mit den vorhergehenden zusammengerechnet. Alles in allem beeinflussen die Publikumsstimmen das Endergebnis so mit ca. 67 % ganz massiv.

Interessant ist, dass das Publikum erstmals nicht nur über Televoting, sondern auch über „Onlinevoting“ abstimmen kann. Eher mysteriös ist aktuell die „internationale Jury“, zu der nur bekannt ist, dass sie „aus Persönlichkeiten von besonderer beruflicher Bedeutung in der internationalen Musik- und Unterhaltungsbranche“ bestehen soll.

Fazit

Die neuen Regeln werfen viele Fragen auf. Dass zum Televoting ein Onlinevoting dazukommt, ist im Sinne der größeren Beteiligung zu begrüßen, bislang sind die genauen Modalitäten aber noch unbekannt. Kritisch muss wie immer der völlig unverhältnismäßige Anteil der Publikumsstimmen am Gesamtergebnis gesehen werden. Die Entscheidung, dem Publikum in der Endrunde das alleinige Wort zu geben, scheint eine undurchdachte Reaktion auf das Unterliegen des Publikumssiegers in der Endrunde des Festivals 2026 zu sein.

Sayf mit eng geflochtenen Haaren, getragenem Jeansjackett mit gelben Nähten und weißem Shirt, vor hellem Hintergrund stehend und mit neutralem Blick in die Kamera.
Sayf unterlag 2026 trotz Televoting-Siegs in der Endrunde (Credits: Rai)

Der „Performance“-Abend als ESC-Vorentscheid ist ein großes Risiko; zum einen, weil der italienische ESC-Erfolg bislang gerade durch die Verknüpfung mit dem Sanremo-Sieg gewährleistet wurde; zum anderen, weil der getrennte Abend die Dynamik des Finalabends massiv beeinflussen wird und entweder den Gesamtsieg bloß vorwegnimmt oder die Bedeutung des Sanremo-Siegs schwächt. Die vage umrissene „Performance“ klingt, wenn man sich den Veranstaltungsort anschaut, reichlich ambitioniert, und eine „internationale Jury“ verheißt sicherlich nichts Gutes.

Letztlich wird sich aber erst in der Festivalwoche 2027 zeigen, wie sich die Neuerungen auswirken.

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